Die 10 unangenehmsten Stoffe in deinem Leitungswasser

Ein Drittel aller Frauen und jeder 5. Mann haben Bedenken, wenn sie Leitungswasser in Deutschland trinken. Trinkwasser gehört zwar zu den am besten kontrollierten Lebensmitteln. Trotzdem nehmen wir mit jedem Schluck Leitungswasser viele Tausend unbekannte Stoffe auf. 

Aber welche 10 Substanzen in unserem Wasser haben Auswirkungen auf den Geschmack? Und welche können sich negativ auf die Gesundheit auswirken?  

Diese Fragen versuchen wir in diesem Text zu beantworten. Wir erklären jeweils kurz, wie der Stoff ins Leitungswasser kommt. Außerdem zeigen wir dir, welche gesundheitlichen Folgen in Studien nachgewiesen werden konnten. Die Studien sind jeweils direkt verlinkt.  

Wir empfehlen natürlich, den Artikel vom Anfang bis zum Ende zu lesen. Am besten mit einer guten Tasse Kaffee oder Tee. Wenn du aber direkt zu einem für dich interessanten Thema springen willst, dann klicke einfach direkt auf den Link.

Übersicht

1. Medikamente + Hormone

2. Pestizide + Herbizide

3. Grobe Partikel (z.B. Sand)

4. Metalle

5. Asbest

6. Nitrat + Nitrit

7. Chlor

8. Krankheitserreger

9. Kalk

10. Mikroplastik

1. Medikamente + Hormone

Bei Medikamenten denkst du vermutlich direkt an Krankheiten. Und es ist auch gerade die große Verbreitung von Arzneimitteln, die sich auf das Leitungswasser auswirkt. 

Mehr als die Häfte aller Menschen in Deutschland nehmen dauerhaft Medikamente ein. Und mindestens die Hälfte aller Mädchen zwischen 16 und 20 verhüten mit der Anti-Baby-Pille. Sie enthält unter anderem die Hormone Östrogen und Gestagen. Medikamente und Hormone werden auch massenhaft in der Tierzucht eingesetzt.   

Ins Leitungswasser kommen sie deshalb hauptsächlich über zwei Wege: 

Einerseits über das Abwasser der Toiletten und Spülen. Da der Körper nicht alle Medikamente und Hormone abbauen kann, wird ein Rest über den Urin ins Abwasser ausgeschieden.

Gleichzeitig entsorgen die Hälfte aller Deutschen abgelaufene Medikamente und Hormone nicht im Hausmüll. Sie werfen die alten Produkte direkt ins Klo oder in den Abfluss. Von dort gelangen sie dann in den Wasserkreislauf.   

Außerdem kommen die in der Tierzucht eingesetzten Medikamente und Hormone über Gülle und Mist auf die Felder. Durch Regen werden sie dann weiter ins Grundwasser transportiert. Leitungswasser in Deutschland besteht größtenteils aus Grundwasser.  

Kommen die Medikamenten- und Hormonreste miteinander in Kontakt, bilden sie neue, für die Wasserwerke unbekannte Stoffzusammensetzungen. Deren Wirkung auf Menschen ist bisher kaum erforscht. Bei Fischen allerdings konnten schon Verhaltensänderungen nachgewiesen werden. 

Für die Wasserwerke ist es praktisch unmöglich, die neu entstandenen Verbindungen zu erfassen und zu filtern. Kleine Rückstände bleiben deshalb in den meisten Fällen im Leitungswasser

Gesetzliche Grenzwerte gibt es weder für Medikamente, noch für Hormone. 

Zusammenfassung

Medikamente und Hormone kommen hauptsächlich über das Abwasser und über Düngung in den Wasserkreislauf. Die vielen verschiedenen Stoffe können sich miteinander verbinden. Das macht es für Wasserwerke praktisch unmöglich, sie komplett aus dem Leitungswasser heraus zu filtern.

2. Pestizide + Herbizide

Das wahrscheinlich bekannteste Pestizid der Welt ist Glyphosat. Alleine im Jahr 2017 wurden davon in Deutschland fast 4700 Tonnen eingesetzt. Im gleichen Jahr wurden in der EU Pflanzenschutzmittel im Wert von fast 10,3 Milliarden Euro auf den Feldern verteilt.

Doch was genau sind Pestizide, Herbizide und worin unterscheiden sie sich?

Pestizide sind Chemikalien und Mikroorganismen, die schädliche Lebewesen töten oder in ihrer Ausbreitung hemmen sollen. Herbizide dagegen haben die Aufgabe, störende Pflanzen zu verhindern. Vereinfacht ausgedrückt töten Pestizide Ungeziefer und Herbizide Unkraut. 

Die Pestizide und Herbizide werden über Regen weiter von den Feldern ins Grundwasser transportiert. 

Glyphosat ist nachweislich krebserregend. Aber auch andere Pestizide im Wasser gelten als gesundheitsgefährdend. Bisher gibt es allerdings nur wenige Studien darüber, ab welcher Dosis das der Fall ist. 

Bei einer Mitte des Jahres 2019 von Stiftung Warentest durchgeführten Untersuchung wurde in 17 von 20 untersuchten Proben Reste von Pflanzenschutzmitteln gefunden.

Wie bei Medikamenten und Hormonen, macht auch bei Pestiziden und Herbiziden die große Menge an unterschiedlichen Stoffen den Wasserwerken zu schaffen. Und auch hier reagieren die Stoffe untereinander. Das macht es für die Wasseraufbereiter fast unmöglich, alle entstandenen Verbindungen aus dem Wasser zu filtern. 

Im Grund- und Trinkwasser in der EU gilt ein allgemeiner Grenzwert für Pflanzenschutzmittel von 0,1 Mikrogramm.

Zusammenfassung

Pestizide und Herbizide kommen durch Regen von den Feldern ins Grundwasser. Sie verbinden sich untereinander zu neuen Stoffen. Die Wasserwerke können sie deshalb nicht komplett herausfiltern.

3. Grobe Partikel 

Du hast wahrscheinlich schon mal braunes oder getrübtes Wasser aus einem Hahn fließen sehen. Diese Tönung entsteht in den meisten Fällen durch Rost oder Sand. Besonders häufig, wenn ein Hahn längere Zeit nicht benutzt wurde. Aber auch sonst sammeln sich nach einer Weile oft kleine Ablagerungen in der kleinen Düse am Auslauf deines Hahns, dem Perlator.  

Diese Partikel sind zwar gesundheitlich unbedenklich. Sie wirken sich aber negativ auf den Geschmack deines Wassers aus. Und sie weisen auf ein anderes Problem hin: sie zeigen, dass Stoffe vom Wasserrohr an dein Leitungswasser abgegeben werden.

Das passiert irgendwo zwischen dem zuständigen Wasserwerk und deinem Hahn. Wenn sich zum Beispiel Rost und Sand lösen, ist es sehr wahrscheinlich, dass auch andere schädliche Stoffe wie zum Beispiel Schwermetalle an dein Leitungswasser abgegeben werden. 

Für grobe Partikel gibt es keine gesetzlichen Grenzwerte. 

Zusammenfassung

Grobe Partikel im Leitungswasser sind an sich nicht schädlich. Sie verändern allerdings den Geschmack und weisen auf einen schlechten Zustand der Wasserrohre hin.

4. Metalle

Metalle verbinden wir im ersten Moment vielleicht mit Werkstoffen, mit Stahlproduktion oder ähnlichem. Oder du denkst wie im Fall von Gold oder Silber an etwas besonders Wertvolles. 

Auch im Leitungswasser sind jede Menge Metalle. Dort sind sie natürlich nicht in fester, sondern in gelöster Form zu finden. Das beweisen auch die in der Trinkwasserverordnung festgelegten Grenzwerte für einige Metalle. 

Ins Leitungswasser kommen sie über verschiedene Wege. Meistens werden sie durch Regen ins Grundwasser weitertransportiert. In den Boden kommen sie durch Düngemittel, durch Abfallprodukte der Industrieproduktion oder auch durch stillgelegte Industrieanlagen. 

Arsen und Chrom kommen relativ häufig natürlich im Boden vor. Blei dagegen gelangt in den meisten Fällen über alte Rohre ins Trinkwasser.  

Doch welche sind die sechs unangenehmsten Metalle im Trinkwasser? 

Aus unserer Sicht sind das Aluminium, Arsen, Blei, Chrom, Kupfer und Uran. 

4.1 Aluminium

Aluminium im Trinkwasser hat bei einem Zwischenfall im Wasserwerk von Camelford zu Gedächtnisverlust und Hautausschlägen geführt. 

Der gesetzliche  Grenzwert wurde da allerdings um ein Vielfaches überschritten. Eine aktuelle französische Langzeitstudie und die Ontario-Studie konnten eine Erhöhung des Alzheimerrisikos nachweisen. So soll es sich verdoppeln, wenn regelmäßig Wasser mit einer Konzentration von 0,1 Milligramm Aluminium pro Liter Wasser getrunken wird.

Die gesetzlichen Grenzwerte in Deutschland liegen bei 0,2 Milligramm pro Liter Leitungswasser. 

4.2 Arsen

 Eine Studie der Universität Berkeley hat den Zusammenhang zwischen Arsen im Trinkwasser und Krebs analysiert. Untersucht wurden Menschen, die über 39 Jahre Trinkwasser von im Mittel 0,6 Milligramm pro l ausgesetzt waren. Im Zeitraum von 2001 bis 2010 starben fast fünfmal mehr Männer an Blasenkrebs. Bei Frauen war das Risiko sogar mehr als sechs Mal größer.

Auch das Risiko an Lungenkrebs zu sterben, war bei Männern signifikant erhöht. Die Nierenkrebs-Sterberate von Männern nahm um 75 % zu, die von Frauen verdoppelte sich. 

Laut einer Studie des amerikanischen National Research Council aus dem Jahr 2001, treten Haut-, Lungen-, Leber-, Nieren- und Blasenkrebs bereits ab einer Konzentration von 0,5 Mikrogramm pro Liter gehäuft auf.  

Vor allem in Ländern Südostasiens gilt arsenbelastetes Trinkwasser als große Vergiftungsquelle. 

In Deutschland beträgt der gesetzliche Grenzwert für Erwachsene 0,01 Milligramm pro Liter. Für Säuglinge werden nur 0,005  pro Liter empfohlen. 

4.3 Blei 

Blei ist schon seit der Antike eines der größten Gifte für Menschen. 

So wird vermutet, dass 18 % aller Todesfälle in den USA auf eine zu hohe Bleibelastung zurückzuführen sind. 

Gliederschmerzen, Nierenschädigungen, Sehstörungen und ein erhöhtes Krebsrisiko durch Blei im Trinkwasser konnten bereits nachgewiesen werden.  Außerdem können Nervosität, Nervenlähmungen und Gehirnstörungen auftreten.  

Besonders gefährlich ist eine zu hohe Bleibelastung auch für Säuglinge und Kinder. 

Bei ihnen kann es zu Schädigungen im Gehirn kommen. Vor allem, weil sie ungefähr die Hälfte des zugeführten Bleis auch im Körper aufnehmen. Erwachsene nehmen nur ca. 10 % auf. Auch für schwangere Frauen ist  bleibelastetes Wasser ein Gesundheitsrisiko. 

Deutschlandweit überschreiten laut einer Studie des Fraunhoferinsituts 2,8 % aller Leitungswasserproben die Grenzwerte für Blei. In München und Bremen sogar ca. 10 % aller Proben.   

Die gesetzlichen Grenzwerte beträgt 0,1 Milligramm pro Liter. 

4.4 Chrom 

Die negative Wirkung von Chrom im Trinkwasser wurde auch durch die Hollywoodverfilmung Erin Brockovich bekannt. Das Umweltbundesamt hat im Jahr 2012 eine Studie in Auftrag gegeben. 

Darin wurde festgestellt, dass speziell die Chromverbindung Chrom (VI) im Trinkwasser ein krebserregender Stoff ist. Der vom Bundesumweltamt empfohlene Leitwert für den Anteil von Chrom (VI) wurde bei drei der 20 von der Stiftung Warentest untersuchten Proben überschritten

Chrom allgemein wurde in 90 % aller untersuchter Proben nachgewiesen. Der gesetzliche Grenzwert für alle Chromverbindungen liegt bei 0,05 Milligramm pro Liter. 

4.5 Kupfer

Die Auswirkungen von Kupfer im Trinkwasser sind dagegen weniger gut untersucht. So wird von einigen Ärzten angenommen,  dass Lethargie, starke Gelbsuchtsymptome und Leberschäden mit erhöhten Kupferwerten im Trinkwasser zusammenhängen können. Und genau wie bei den Schwermetallen sind auch beim Edelmetall Kupfer Schwangere und Säuglinge anfälliger für Beeinträchtigungen. 

Der gesetzliche Grenzwert für Kupfer beträgt 50 Milligramm pro Liter. 

4.6 Uran

Uran wurde bei der Trinkwasseruntersuchung von der Stiftung Warentest in knapp der Hälfte aller Proben nachgewiesen. Das Schwermetall ist nicht in erster Linie durch seine Radioaktivität gefährlich. Es ist vor allem sehr giftig. Unter anderem für Leber und Knochen konnten Schädigungen nachgewiesen werden. 

Außerdem hat eine Studie aus dem Jahr 2015 der Bangalore University festgestellt, dass speziell für die Nieren eine erhöhte Gesundheitsgefahr durch Uran im Trinkwasser ausgeht. Bei Säuglingen und Kleinkindern wird ein erhöhtes Knochenkrebsrisiko vermutet. 

Der gesetzliche Grenzwert für Uran liegt bei 0,01 Milligramm pro Liter Wasser. 

Zusammenfassung

Metalle und insbesondere Schwermetalle gehören zu den unangenehmsten Stoffen im Leitungswasser. Gesundheitliche Auswirkungen auch kleineren Mengen wurden in vielen verschiedenen wissenschaftlichen Studien nachgewiesen.

5. Asbest

Asbest ist eine Sammelbezeichnung für verschiedene Silikat-Minerale. Das sind Verbindungen aus Silicium und Sauerstoff. Asbest kann über alte Wasserrohre ins Leitungswasser kommen. Erst seit 1995 dürfen neue Trinkwasserrohre keine Zusätze mehr aus Asbest enthalten. 

Außerdem können alte Mülldeponien teilweise bis heute das Grundwasser mit Asbest verunreinigen. 

Eine italienische Studie aus dem Jahr 2016 geht davon aus, dass auch die Aufnahme von Asbest über das Trinkwasser das Krebsrisiko erhöhen kann. Für Asbest im Leitungswasser gibt es keine gesetzlichen Grenzwerte. 

Zusammenfassung

Asbest kommt hauptsächlich über alte Rohre und Mülldeponien ins Leitungswasser. Asbest ist nachweislich krebserregend.

6. Krankheitserreger

Krankheitserregern werden oft auch einfach nur als Keime bezeichnet. Zu ihnen gehören unter anderem Algen, Bakterien, Parasiten, Pilze und Viren. 

Nach Schätzungen sind übrigens die Hälfte aller Lebewesen auf der Erde Bakterien. Uns bekannt sind nur ungefähr 0,01 %. 

Im Leitungswasser selbst dürfen laut Trinkwasserverordnung bestimmte Bakterienarten nicht messbar sein. Dazu gehören unter anderem Enterokokken, E. coli und Legionellen. Enterokokken und E. coli können direkt durch das Trinken von unreinem Wasser übertragen werden. Legionellen dagegen werden eher über Wasserdampf, zum Beispiel in der Dusche aufgenommen.  

6.1 Enterokokken

Enterokokken gehören zur Gruppe der Milchsäurebakterien. Sie treten als Mikroorganismus im menschlichen Körper auf. Das heißt, sie sind so klein, dass wir sie nicht sehen können. 

Bis zu 15 Prozent der Endokarditiden, also Entzündungen der Herzinnenhaut werden bei Erwachsenen auf Enterokokken zurückgeführt. Bei Lungenentzündungen sind es etwa 30 Prozent, bei Harnwegsentzündungen sind es ungefähr 10 bis 20 Prozent aller Fälle. 

Menschen mit geschwächtem Immunsystem, wie zum Beispiel Säuglinge, Kleinkinder oder Schwangere sind gefährdeter als Erwachsene, an Enterokokken zu erkranken. 

6.2 E. coli 

E. coli, das auch auch Kolibakterium genannt wird, ist ein säurebildendes Bakterium. Es kommt normalerweise sowohl im menschlichen als auch im tierischen Darm vor. Im Trinkwasser sind Kolibakterien deshalb ein Anzeichen einer Verunreinigung mit Fäkalien von Mensch oder Tier. Kolibakterien können Infektionen des Magen-Darm-Trakts und in manchen Fällen auch Lungenentzündungen auslösen.

6.3 Legionellen

Legionellen sind eine Gattung stäbchenförmiger Bakterien, die sich bei Wassertemperaturen zwischen 30 und 45 Grad optimal vermehren. Legionellen können die Atemwege infizieren. Sie sind außerdem oft die Verursacher der Legioniärskrankheit und des Pontiac Fiebers.  

Es ist schwer zu sagen, wie häufig Krankheitserreger im Leitungswasser auftauchen. Vor allem öffentliche Gebäude wie zum Beispiel Krankenhäuser sind öfter betroffen

Allerdings warnen lokale Wasserversorger regelmäßig auch private Haushalte vor Keimen im Leitungswasser. 

Laut Trinkwasserverordnung dürfen übrigens keine feststellbaren Konzentrationen im Leitungswasser sein. 

Zusammenfassung

Krankheitserreger im Leitungswasser treten insbesondere in öffentlichen Gebäuden wie Krankenhäusern auf.

7. Chlor 

Der Geruch von Chlor ist  leicht beißend und säuerlich. Uns erinnert er an Hallenbäder oder auch an Putzmittel. Trinkwasser in Deutschland wird zwar nicht chloriert, aber trotzdem enthält es kleine Mengen an Chlor. Die Wasserversorger verwenden Chlor nämlich zur Desinfektion. 

Ein kleiner Teil bleibt dann im Trinkwasser. Es ist außerdem eine der am meisten verwendeten Chemikalien der chemischen Industrie. Das führt dazu, dass Chlor zuerst ins Abwasser gelangt und danach ins Trinkwasser. Da Leitungswasser in Deutschland zu einem großen Teil aus Grundwasser besteht, kommt es so in unseren Wasserkreislauf. 

Bereits 1980 hat eine Studie des U.S. Council of Environmental Quality untersucht, welche Folgen das tägliche Trinken von chloriertem Trinkwasser hat. Das überraschende Ergebnis: ein bis zu 93 % höheres Risiko an Dickdarmkrebs und ein 53 % höheres Risiko an Dünndarm- oder Blasenkrebs zu erkranken.   

Eine weitere Studie hat die genaue Todesursachen von Krebskranken analysiert. Sie kam ebenfalls  zum Schluss, dass das Trinken von chloriertem Wasser das Magen-Darm-Krebs-Risiko erheblich erhöhen kann.

Auswirkungen auf Schwangere und Neugeborene

Eine neuere Studie der Universität Birmingham hat die Auswirkung von chloriertem Trinkwasser auf die Schwangere analysiert. Mehr als 400.000 Kinder wurden dafür in Taiwan untersucht. Kinder von Frauen, die Trinkwasser mit Chlor tranken, hatten ein erhöhtes Risiko für Geburtsfehler. Speziell Lippen-Kiefer-Gaumenspalten, Herz- und Hirnschäden traten häufiger auf. 

Auch die Zerstörung der Darmflora und bestimmte Allergien werden mit Chlor im Wasser in Zusammenhang gebracht. Die durch Chlor im Wasser entstehenden Nebenprodukte gelten ebenfalls als Gefahr. Ihre genauen Wirkungen auf die Gesundheit sind bisher allerdings noch nicht ausreichend untersucht. 

Auf natürliche Weise kommt das organische Chlor in der Natur übrigens nicht vor. Verbindet Chlor sich mit anderen Stoffen entstehen Chloride. Für Chlorid gibt es auch einen gesetzlichen Grenzwert, der 250 Milligramm pro Liter beträgt. 

Zusammenfassung

Auch im deutschen Leitungswasser sind in der Regel kleine Mengen an Chlor. Es wird von den Wasserwerken zur Desinfektion genutzt. Wissenschaftliche Studien haben verschiedene gesundheitliche Auswirkungen nachgewiesen.


8. Nitrat und Nitrit 

Die Belastung des Leitungswassers mit Nitrat erhielt in den letzten Jahren breite Aufmerksamkeit. Die Europäische Kommission hat mehrfach angekündigt, Deutschland auf Grund der hohen Belastung zu bestrafen. 

Nitrat (NO3)ist eine Verbindung aus den Elementen Stickstoff (N) und Sauerstoff (O). Nitrat ist der Ausgangsstoff von Nitrit (NO2). Nitrat wird mithilfe spezieller Bakterien in Nitrit umgewandelt. Das passiert einerseits innerhalb der Pflanzen. Andererseits findet die Umwandlung auch direkt im menschlichen Körper statt.  

Sowohl für Nitrat als auch für Nitrit gibt es deshalb gesonderte Grenzwerte. 

Nitrat wird in der Landwirtschaft zur Düngung verwendet. Es kommt aber auch ganz natürlich im Boden vor. Durch Regen wird es erst in tiefere Bodenschichten und danach ins Grundwasser transportiert. Auch Nitrite kommen indirekt über Düngemittel ins Leitungswasser. Aber auch bei der Trinkwasseraufbereitung und in den Wasserrohren kann Nitrit entstehen. 

Wenn du einen noch tieferen Einblick in die Verbreitung von Nitrat im Grundwasser möchtest, empfehlen wir dir die verlinkte NDR-Dokumentation:

Wissenschaftlich nachgewiesen wurde bereits ein deutlich erhöhtes Darmkrebsrisiko. Menschen, die über einen längeren Zeitraum mehr als 16,75 Milligramm Nitrat pro Liter Trinkwasser ausgesetzt waren, hatten ein um 20 % erhöhtes Risiko, an Darmkrebs zu erkranken. 

Bei Kindern wurde eine sauerstoffhemmende Wirkung ab einem Nitratgehalt von 45 Milligramm pro Liter festgestellt. 

Nitrit dagegen kann die roten Blutkörperchen angreifen und so den Sauerstofftransport im Körper stoppen. Das ist vor allem für Schwangere und Säuglinge gefährlich.  

Nitrit ist außerdem an der Entstehung von krebserregenden Substanzen beteiligt. Insbesondere der Zusammenhang zwischen Nitrit und Magenkrebs wurde laut Deutschem Krebsforschungszentrum bereits belegt. 

Der gesetzliche Grenzwert von Nitrat beträgt 50 Milligramm, der für Nitrit liegt bei  0,5 Milligramm pro Liter.

Zusammenfassung

Nitrat und Nitrit wird in der Düngung verwendet, kommt aber auch natürlich im Boden vor. Beide Stoffe gelten als krebserregend.

9. Kalk 

Wer kennt sie nicht, die geliebten Kalkspuren an Armaturen, im Wasserkocher oder als dünne Schicht im Tee. 

Kalk, der in der Fachsprache auch Calcium- oder Magensiumcarbonat genannt wird, besteht aus den Elementen Calcium oder Magnesium, Kohlenstoff und Sauerstoff. 

In der Regel kommt er über natürliche Wege ins Leitungswasser. Viele Böden in Deutschland enthalten große Mengen an Kalkstein oder Gips. Sickert Regenwasser durch diese Böden, lösen sich Teile dieser Mineralien auf. Sie gelangen so ins Grundwasser und werden in der Regel von den  Wasserwerken nicht entfernt.

Der Kalkgehalt bestimmt übrigens auch ganz wesentlich den Härtegrad des Wassers. Je mehr Kalk das Wasser enthält, desto härter ist es auch. In Deutschland wird der er in den meisten Fällen in der Einheit deutsche Härte (°dH) angegeben. 

Dabei gibt es drei Einstufungen:

  • weich: weniger als 8,4° dH
  • mittel: 8,4° dh bis 14° dH
  • hart: mehr als 14° dH

Negative gesundheitliche Auswirkungen hat hartes Wasser nicht. Zumindest gibt es keine Studien, die darauf hinweisen. Allerdings empfinden die meisten Menschen den Geschmack von weichem, weniger kalkhaltigem Wasser als angenehmer. Vor allem auch in Getränken wie Kaffee oder Tee. Auch für Kalk gibt es keine Grenzwerte in der Trinkwasserverordnung.

Zusammenfassung

Der Kalkgehalt im Wasser bestimmt die Wasserhärte. Negative Auswirkungen auf die Gesundheit sind wissenschaftlich nicht nachgewiesen.

10. Mikroplastik 

Plastik im Wasser, das klingt auf den ersten Blick überraschend. Mikroplastik bezeichnet sehr kleine Teilchen, die mit bloßem Auge nicht erkennbar sind. Leider gibt es keine allgemeine Definition darüber, was Mikroplastik eigentlich ist. Meistens zählen Plastikteilchen zu dieser Kategorie, die kleiner als fünf Millimeter sind. 

Die WHO vermutet, dass Mikroplastik über Regen-, Schmelz- und Abwasser ins Grundwasser kommt. Allerdings sind die verfügbaren Studien darüber noch sehr lückenhaft. 

Eine australische Studie ist zum Schluss gekommen, dass die Menschen über Trinkwasser, Essen und Atmen im Schnitt 5 Gramm Mikroplastik pro Woche aufnehmen. So viel wiegt ungefähr eine Kreditkarte. 

Trinkwasser ist neben der Nahrung und der Atemluft eine der drei Hauptquellen für die Aufnahme. Einerseits ist der Mikroplastikgehalt im Mineralwasser in der Regel höher als im Leitungswasser. Trotzdem konnte Mikroplastik in kleinen Mengen auch im deutschen Leitungswasser nachgewiesen werden. In einer von der WHO weltweit durchgeführten Untersuchung wurde es in 83 % von 159 untersuchten Trinkwasserproben gefunden. 

Es gibt nur wenige Studien darüber, wie sich die Aufnahme von Mikroplastik auf die menschliche Gesundheit auswirkt. 

Das Problem: Viele der kleinen Plastikteile können von unserem Körper nicht mehr ausgeschieden werden. Sie lagern sich also genau dort ab. So wird davon ausgegangen, dass Mikroplastik Auswirkungen auf den Nährstoffkreislauf hat. Außerdem ist unklar, wie bereits vorbelastete Haut, Schleimhäute oder Organe auf Mikroplastik reagieren. Gesetzliche Grenzwerte für Mikroplastik existieren nicht.

Zusammenfassung

Die Auswirkungen von Mikroplastik auf die Gesundheit sind noch nicht gut erforscht. Besonders kleine Plastikteile können vom Körper nicht mehr ausgeschieden werden und lagern sich deshalb in ihm ab.

 

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