Leitungswasser trinken – 6 Dinge, die du wissen musst

Vier von fünf Deutschen trinken oft oder ab und zu Leitungswasser. Aber ein Drittel aller Frauen und jeder fünfte Mann tun es mit Bedenken. Mehr als 16 Millionen Menschen in Deutschland haben also Zweifel an der Trinkwasserqualität. 

Aber warum wird unser Wasser so oft in Frage gestellt? Wir haben die wichtigsten Argumente aller Bedenkenträger zusammengefasst.

1. Niemand weiß ganz genau, was alles im Wasser ist

In Spanien, Italien, in Asien oder in den USA greifen die Menschen meistens direkt zum Flaschenwasser. Aus einem einfachen Grund. Leitungswasser zu trinken ist dort sehr oft kein Genuss. Es riecht und schmeckt unappetitlich. Häufig ist es auch mit Chlor versetzt.

Das deutsche Trinkwasser mag im Vergleich besser schmecken. Das sagt trotzdem noch nicht viel über die Anzahl der Stoffe im Wasser aus. Das wird spätestens beim Blick in den Wasserkocher oder auf die Duscharmatur deutlich. In den meisten Gegenden hinterlässt das Leitungswasser Kalk, ganz egal womit es in Berührung kommt.  

Hände unter einem Hahn, auf die Leitungswasser fließt.


Experten gehen davon aus, dass im Wasser aus dem Hahn mehrere Tausend verschiedene Stoffe sind. Auch wenn das Wasser also keine wahrnehmbare Färbung hat, ist es nicht komplett frei von Stoffen, die nicht ins Wasser gehören.  

2. Auf dem Weg zum Wasserhahn gibt es keine Kontrollen


Wasser ist in Deutschland das einzige Lebensmittel, das amtlich anerkannt werden muss. Die Qualitätsanforderungen sind hoch. Es muss frei von Krankheitserregern, rein und genusstauglich sein. Alle Wasserversorger müssen Gesetze, Richtlinien und Verordnungen respektieren. Sie betreiben einen hohen Aufwand, das Leitungswasser regelmäßig zu testen. Außerdem werden sie ständig kontrolliert. 

Die Kontrollen finden aber nach Verlassen der Wasseraufbereitungsanlage statt. Niemand kontrolliert, was auf dem Weg zum Wasserhahn passiert. Bis es dort ankommt, muss das Trinkwasser in der Regel noch mehrere Kilometer zurücklegen.

Glas neben einer Pflanze gefüllt mit Leitungswasser das bereit steht zu trinken.

3. Nur für wenige Stoffe gibt es Grenzwerte


Für insgesamt 55 Stoffe gelten in Deutschland Grenzwerte, die regelmäßig überprüft werden. Bei der Bestimmung der Höhe, steht die menschliche Gesundheit im Vordergrund. Dieser Zahl stehen mehr als 135 Millionen chemische Substanzen entgegen. Alle diese Stoffe sind beim Chemical Abstracts Service (CAS) registriert.  

Allein in der Europäischen Union sind 100.000 verschiedene Chemikalien im Umlauf. Es ist leider unmöglich, für alle Substanzen Grenzwerte einzuführen und sie dann zu kontrollieren.

Für Medikamente oder Hormone zum Beispiel gibt es überhaupt keine Grenzwerte.

Leitungswasser das in einem Labor auf Grenzwerte untersucht wird.

4. Jedes Jahr kommen neue Stoffe in Umlauf

Nicht nur die große Anzahl der Stoffe ist eine Herausforderung für die Wasserwerke. Sondern auch die neuen Substanzen, die jedes Jahr auf den Markt kommen. Ob Medikamente, Hormone oder Pestizide – Wasserwerke müssten ihre Reinigungsverfahren schon erweitern, bevor die Innovationen zum Verkauf angeboten werden. Das ist nicht realisierbar.

5. Alte Rohre und Armaturen können das Trinkwasser verschmutzen

Viele Wasserrohre in Deutschland sind mehr als 50 Jahre alt. Besonders alte, verschmutzte Rohre und schlechte Armaturen können das Wasser auf dem Weg zum Hahn verunreinigen – ohne dass wir es mitbekommen. Das passiert besonders leicht, wenn das Wasser besonders lange in der Leitung steht und nicht in Bewegung ist. 

Auch die Wasserversorger selbst raten deshalb dazu, das Leitungswasser nicht sofort zu trinken. Sie empfehlen, das Wasser morgens erstmal ablaufen zu lassen.

Ein Chemiker untersucht Leitungswasser in einem Labor auf Schadstoffe.

Das Fraunhofer-Institut hat mehr als 1.400 direkt am Hahn entnommene Trinkwasserproben auf Blei untersucht. Jede 10. Probe in München und 2,8 % aller Proben haben den gesetzlichen Grenzwert überschritten. 

6. Nicht alle Schadstoffe werden von den Wasserwerken entfernt

Wasserwerke filtern bei der Wasseraufbereitung viele Schadstoffe aus dem Wasser. Aber es ist unmöglich, alle schädlichen Substanzen aus dem Wasser zu bekommen. Insbesondere Medikamente und Pestizide sind häufig auch nach der Aufbereitung noch im Trinkwasser.

Wasserwerke verwenden außerdem bestimmte Stoffe wie zum Beispiel Chlor zur Wasseraufbereitung. Ein kleiner Teil kann im Wasser bleiben und danach auch zu deinem Wasserhahn gelangen.

Leitungswasser bildet einen Wassertropfen in schöner Form der in ein Glas fällt.

Zusammenfassung

Das Leitungswasser in Deutschland wird regelmäßig kontrolliert und hat generell eine gute Qualität. Trotzdem gibt es einige Faktoren, die Einfluss auf die Qualität deines Leitungswassers haben können. So gibt es nur für relativ wenige Stoffe Grenzwerte und das Wasser wird nicht dort kontrolliert, wo es tatsächlich getrunken wird.   

Was meinst du? Genießt du dein Leitungswasser oder gehörst du auch zu den Zweiflern?

Schon durstig?

Du hast es bis hierhin geschafft. Zeit, Eliza kennenzulernen.

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